Achtsamkeit-Jetzt: Implementierung einer Achtsamkeitskultur
- Simone Schoop

- 9. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Feb.
Achtsamkeit im Altersheim implementieren. Ist das möglich?
Die gute Nachricht: Ja es ist möglich. Doch es geschieht nicht von selbst - es braucht viel Geduld und Offenheit. Das weiss auch Sonja Wernli, Heimleiterin vom Alterszentrum Alban-Breite (azab). Im Herbst 2021 haben wir uns aufrgund meiner Herzens-MAS-Arbeit zum Thema "Implementierung einer Achtsamkeitskultur" auf den Weg gemacht. Erst war die Achtsamkeit ein Experiment - jetzt ist sie ein Teil vom azab. Nicht in Perfektion, sondern auf dem individuellen Weg...
Achtsamkeit im Leitbild - der Kompass im azab
Seit Oktober 2025 ist die Achtsamkeit im azab im Leitbild verankert.
"Achtsamkeit ist die Kunst, der Gegenwart unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken. Sie erinnert uns daran, im Moment präsent zu sein – im Kontakt mit anderen wie mit uns selbst. Durch achtsame Kommunikation schaffen wir die Grundlage für ein wertschätzendes Miteinander und bringen mehr Ruhe und Klarheit in unseren Alltag. Achtsamkeit bedeutet für uns: innehalten, wahrnehmen, respektvoll handeln."
Der Weg der Achtsamkeit
Das Implementieren einer Achtsamkeitskultur bedeutet die Achtsamkeit wirklich zu leben - auf allen Ebenen: Führungspersonen, Mitarbeitende und Bewohnende. Doch wie ist das möglich? Nicht von heute auf morgen - sondern als stetiger Veränderungsprozess.
Der erste Schritt ist, das ganze Führungsteam ins Boot der Achtsamkeit zu holen. Alle zusammen sollen sich vom Kompass der Achtsamkeit leiten lassen. Jede einzelne Person geht ihren indivduellen Weg - in ihrem Tempo und Rhythmus. Denn die Achtsamkeit dient nicht dazu, perfekt zu sein und Gleichförmigkeit anzustreben. Es geht um Authentizität - nur dann entsteht Achtsamkeit für sich und andere.
Die Mitarbeitenden besuchen eine Einführung in die Achtsamkeit, damit sie entscheiden können, ob sie die Übungen im Arbeitsalltag nutzen und weitere interne und externe Angebote besuchen möchten. Die Bewohnenden haben die Möglichkeit einen Achtsamkeitskurs und eine interne unterstützende Achtsamkeit zu besuchen, die einmal wöchentlich stattfinden - mit adaptierten Einheiten für ältere Menschen.
Für alle gibt es externe und interne Angebote und Gefässe der Achtsamkeit - und für jede Person 10 Minuten individuelle Achtsamkeit während der Arbeitszeit.
Die Implementierung von Achtsamkeit bietet zahlreiche Vorteile:
Stressreduktion: Achtsamkeitstechniken können helfen, Stress abzubauen und die Resilienz zu stärken - für alle
Verbesserte Kommunikation: Die Menschen sind besser in der Lage, achtsam und aktiv zuzuhören und empathisch zu kommunizieren.
Erhöhte Zufriedenheit: Durch die Achtsamkeitsübungen ist der Mensch mehr im Hier und Jetzt - das macht nachweislich zufriedener.
Bessere Entscheidungsfindung: Achtsamkeit fördert eine klare Denkweise, die zu besseren Entscheidungen führt.

Herausforderungen bei der Implementierung von Achtsamkeit
Trotz der vielen Vorteile kann die Implementierung von Achtsamkeit im Altersheim auf Herausforderungen stossen. Einige der häufigsten Hindernisse sind:
Widerstand gegen Veränderungen: Einige Führungspersonen, Mitarbeitende oder Bewohnende können skeptisch gegenüber neuen Praktiken sein. Die Zauberwörter: Offenheit, Neugier und Individualität...
Zeitmangel: In einem hektischen Arbeitsumfeld kann es schwierig sein, Zeit für Achtsamkeit zu finden. Aber Achtung: wenn man sich Zeit für die Achtsamkeit nimmt, hat man danach mehr Zeit...
Geduld: Viele erwarten eine sofortige Veränderung und sind enttäuscht wenn es nicht klappt. Achtsamkeit fordet uns auf, Geduld mit uns zu haben und regelmässig Achtsamkeitsübungen zu praktizieren. Der Vorteil: Achtsamkeit hilft, geduldiger zu werden...
Eine Übung
(Bei Übungen verwende ich gerne das "Du")
Ich lade dich ein anzukommen, anzukommen bei dir – in deinem Körper. Nimm die Berührungen mit den Oberflächen wahr. Füsse, Beine und Gesäss auf dem Stuhl, Arme oder auch Hände auf den Beinen, dem Tisch oder ineinander.
Den ganzen Körper einen Moment wahrnehmen – und Ankommen.
Jetzt richtest du deine Aufmerksamkeit auf einen Finger (Zeigefinger oder Mittelfinger – je nach Möglichkeiten auch ein anderer Finger).
Setze den Finger bewusst und absichtsvoll auf eine Oberfläche. Beginne langsam (so langsam wie möglich!) eine imagniäre Spirale mit dem Finger von Aussen bis ins Innerste zu malen.
Nimm dabei immer wieder wahr, wenn du mit den Gedanken abschweifst - in die Vergangenheit, Zukunft, Phantasien, Träume, Sorgen. Gratuliere dir innerlich, wenn du das bemerkt hast, denn dies ein Moment des Aufwachsens. Komm danach wieder bewusst zu deinem Finger zurück, welcher der Spur der Spirale ins Innere folgt.
Nimm auch wahr, wenn Gefühle auftauchen wie z.B. Langeweile oder Ungeduld. Vielleicht Gedanken wie: „Das muss schneller gehen.“ „Das ist so langweilig“. Nimm diese Gedanken wahr, genauso wie deine Emotionen. Werde dir offen und neugierg bewusst, wo du diese Emotion im Körper wahrnimmst. Umsorge sie mit deinem Selbstmitgefühl - nimm sie an - so wie du dies auch mit einem Baby, einem kleinen Kind oder einem Tier tun würdest, dem es im Moment nicht gut geht. Ohne etwas verändern zu wollen.
Komm dann wieder bewusst zur Spirale zurück. Wenn du im Innersten angelangt bist, halte einen Moment inne, nimm alles bewusst wahr. Öffne die Augen und gehe bewusst in die Aussenwelt.




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