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Achtsamkeit und Resilienz: Ein anderer Blick auf das Leben und Arbeiten im Alters- und Pflegeheim

  • Autorenbild: Simone Schoop
    Simone Schoop
  • vor 19 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Der Augenblick, der zählt

Pflegerin Miriam wäscht Frau Meier, wie schon hundertmal zuvor – routiniert, schnell. Ihre Gedanken sind woanders: Anstehende Aufgaben, Zeitdruck und das nächste Telefonat. Sie ist im Zimmer, aber nicht wirklich da.

Da fragt Frau Meier leise: „Sie waschen heute zügig. Ist alles in Ordnung mit Ihnen?"

Pflegerin Miriam hält inne und sieht sie an – zum ersten Mal wirklich.

„Entschuldigung, Frau Meier", sagt sie. „Ich war mit den Gedanken ganz woanders."

Sie atmet kurz durch und pflegt weiter – jetzt bewusst. Sie spürt den Waschlappen, die Wärme des Wassers, den Druck und das Tempo des Waschlappens auf dem Körper und hört Frau Meier leise aufatmen.

Die Handlung bleibt dieselbe. Doch jetzt ist sie ganz da – in Verbindung mit sich, der Bewohnerin und der Welt. Ein Mensch fühlt sich gehört. Eine Pflegerin kommt im Tag an. Der Moment verbindet sie. Und genau hier beginnt die Achtsamkeit!


Was Achtsamkeit in der Pflege wirklich bedeutet

Im Alters- und Pflegheim ist Achtsamkeit keine Modeerscheinung, sondern eine wichtige innere Haltung mit direktem Bezug zur Praxis.

Präsent sein, statt nur anwesend.

Die meisten Menschen in der Langzeitpflege kennen diesen Unterschied aus eigener Erfahrung. Man führt ein Gespräch, geht aber im Kopf die Aufgabenliste durch. Man ist im Zimmer, aber gedanklich schon beim nächsten Bewohnenden oder bei der nächsten Aufgabe. In Stresssituationen schaltet das Gehirn häufig auf „Autopilot“ und reagiert mit Gewohnheiten, Reflexen und bekannten Handlungsmustern.

Hohe Arbeitsbelastung, Personalmangel, Zeitdruck, viele Dokumentationen, emotionale Belastungen und Konflikte sind wichtige Ursachen für Stress. Gleichzeitig unterscheiden sich Menschen darin, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen. Die eigene Stresskompetenz und die Haltung der Achtsamkeit spielen dabei eine zentrale Rolle.


Achtsamkeit setzt nicht voraus, dass alles besser wird. Sie fragt: Was kann ich mit dem tun, was ist jetzt?


Das bedeutet:

  • Den eignen Körper bei kleinen Signalen wahrnehmen, bevor er zusammenbricht – Präsenz, Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge

  • Den Menschen vor einem bewusst als Person sehen und nicht als Aufgabe – Präsenz, Empathie und Verbindung

  • Eine schwierige Situation kurz beobachten und innehalten, bevor man reagiert – Präsenz, Wahrnehmung, Selbstregulation und Achtsame Kommunikation


Pflegerin wäscht ältere Frau mit einem Waschlappen
Pflegerin wäscht ältere Frau mit einem Waschlappen

Übungen, um im Augenblick anzukommen

Der Drei-Atem-Moment vor jedem neuen Zimmer: Drei bewusste Atemzüge. Den Moment des Eintretens als Grenze zwischen zwei Welten begreifen. Drinnen ist jetzt diese Person - nicht die eigene Gedankenwelt.

Das Anker-Wort Ein Wort wählen, das einen erdet – „hier“, „jetzt“, „stopp“ – und es innerlich sagen, wenn der Kopf wegdriftet.

Stille: Gemeinsam eine Minute schweigen, bevor die nächste Aktivität kommt (Rapport, Meeting, Gespräch...)

Selbst vorangehen: Achtsamkeit ist eine innere Haltung - das bedeutet: als Leitungsperson authentisch sein - Achtsamkeit üben und leben.


Den Blick ändern und ankommen - es ist der Augenblick, der zählt.

Es gibt kein perfektes Alters- und Pflegeheim - keinen fehlerfreien Tag. Aber es gibt diesen Moment. Das bewusste Pflegen. Das Lachen. Die Stille. Der Atemzug vor dem nächsten Zimmer. Achtsamkeit bedeutet im Augenblick zu sein. Das ist der Anfang…


 
 
 

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